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  • Milfontes – Evora

    Ich wachte auf mit Vogelgezwitscher und eingehüllt in den Duft der Terpene, die die Pinien absondern. Da machte es so richtig Spaß, den Tag mit Morgengymnastik zu beginnen. Jawoll, auch das mache ich jetzt täglich.
    In Sineis, einem Hafen an der Küste Richtung Norden machte ich meinen ersten Stopp. Nach einer Besichtigung des Hafens per Moped landete ich in der Altstadt und frühstückte, dabei saß mir diese alte Dame 2 Tische weiter gegenüber. Wenn der Fado ein Gesicht hat, dann ist es dieses. Dabei war die Dame bekannt, wurde mehrfach gegrüßt und lachte sogar, ganz kurz. Ich wollte meine neu erworbenen Portugiesisch Kenntnisse anwenden und bestellte einen „Bica“. Das ist die Abkürzung von „Beba isto com azucar“ – trink das mit Zucker- und soll der Legende nach aus der Zeit kommen, wo der Kaffee in Portugal das erste mal gebraut wurde. Den Menschen war er zu bitter, daher die Aufforderung Zucker zu verwenden. Allerdings lebt die Kultur in Portugal von den regionalen Unterschieden und Wörtern, die im Süden an der Küste gebraucht werden können, 100 km weiter schon unbekannnt sein. Oder es lag an was anderem, bin auf jeden Fall bei meiner Bestellung mit Bica gescheitert.
    Über der Stadt trohnt die Festung, die frei zugänglich ist. Sie bietet einen sehr schönen Blick über die Bucht und die Altstadt. Auf dem Wehrgang nahm eine Musiker sein neuestes Lied auf und so kam ich in den Genuss eines kleinen Gratiskonzerts. Der Innenhof wird für Konzerte bespielt, leider fällt das nächste Konzert nicht in meine Reisezeit. Der Rohstoffhafen und die Petroindustrie dominieren die Stadt und der Tourismus spielt keine so große Rolle.
    Die salzige Luft frisst am Putz der Häuser und es hat einen etwas morbiden Charme. Wäre da nicht die Industrie, wäre das ein Ort für mich, um mal eine Weile in Portugal zu wohnen. Portugal hatte ich jetzt nicht so präsent beim Nahostkrieg, aber auch hier gibt es eine eindeutige Haltung zum Gaza Krieg. „Friede, Brot, Wohnung, Gesundheit, Wohnen“ für alle ist keine unbillige Forderung. Die Restaurants bieten günstig einen Mittagstisch an und im Schatten eines kleines Museum über einer Grabungsstätte lässt sich gut dösen. Beim Bau des Parkplatzes fand man eine römische Fischkonserven-„Fabrik“.

    Entlang eines riesigen Gewerbegebietes und an Pipelines, die zum Hafen führen, ging es weiter in Landesinnere. Vorbei an Korkeichenbeständen, die auf dem Boden als reine Weiden oder als Feldern mit Getreide in Nutzung sind, neben der Korkgewinnung. Für ein Foto musste ich ein wenig die Böschung hochsteigen, um etwas Überblick zu gewinnen. Das war auch die Gelegenheit mich zu erleichtern. Ich habe noch nie in so einer aromatischen Umgebung gepinkelt. Da hat der Duftbaum im Bad – welche Geschmacksrichtung auch immer- keine Chance.
    In den neu angepflanzten Olivenplantagen steht der Nachwuchs maschinentauglich stramm in Reih und Glied, bereit um industriell verwertet zu werden. Durch die mechanische Ernte werde jährlich die Äste und durch das Rütteln auch die Wurzeln beschädigt. Sie werden wohl keine so lange Lebenserwartung haben, wie die alten Charakterbäume. Beim genauen Betrachten der alten Zossen in einem Olivenhain kann man so manches Gesicht, Mund oder Augenzwinkern erkennen. Oder einfach auch nur abstrakte. Formen, mit den Flechten und Moosen, haben sich etwas weiches angezogen. Natürlich darf auch ein Stausee nicht fehlen und die Pinien können offensichtlich nicht so gut mit „nassen Füßen“ umgehen.

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    Am Rio Sado machte ich einen kurzen Stopp. Er schlängelt sich schön durch die Ebene. An der Uferpromenade entdeckte ich zwei Männer im Schatten der Bäume ins Gespräch vertieft. Schönen Gruß an die Impressionisten.
    Ich wollte eigentlich in Evora mal wieder in einer Pension in einem Zimmer schlafen, die Suche gestaltete sich aber schwierig. Meine Wunschpension war belegt, die anderen Unterkünfte rufen schon echt hohe Preise auf. So landete ich wieder auf einem Zeltplatz am Stadtrand unter Eukalyptusbäumen allerdings an einer Einfallstraße. Mit dem Arbeitsbeginn war dann Schluss mit der Nachtruhe.
    Was vorher noch geschah: Auf der Suche nach der gewünschten Pension landete ich vor dem gesperrten Kirchplatz. Ich stellte Rosinante ab und wollte loslaufen, entdeckte dann noch einen Straßenpolizisten, der mich natürlich auch gesehen hatte. Da ich im absoluten Halteverbot stand, ging ich zu ihm hin und erklärte meine Situation. Ich bat um 10 Minute Standerlaubnis. Er sah mich kurz an und antwortete sehr knapp „ok“. Ich legte den Helm ab und ging los. Die Pension war ausgebucht. Als ich zurückkam hat sich der Polizist unauffällig zu meinem Moped gestellt und es quasi bewacht. Ich habe ihm noch erklärt, dass ich keinen brauchbaren Parkplatz gefunden hätte. Er hat mir dann ein kleines Miniplateau vor einem Haus gezeigt und dann sogar noch geholfen rückwärts einzuparken, was bei dem abschüssigen Gelände nicht so einfach war. Es ist gut, sich nicht von einer martialischen und abweisenden Erscheinung zu sehr beeindrucken zu lassen. Ein schönes Beispiel für „Die Polizei als Freund und Helfer“.
    Es ist feucht und kalt, und jetzt „Gute Nacht“