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  • Coimbra – Stadtspaziergang

    Die Pasteleria war eine Empfehlung und das zurecht. Wobei ich auch sagen muss, dass man vermutlich wirklich eine Bäckerei suchen muss, die nichts Leckeres produziert. Die einzigen Läden wo man sicher etwas Mittelmäßiges bekommt ist Lidl, Aldi und die anderen Supermärkte. Einfaches Gebäck, alle Arten von gefüllten Plundern, Krapfenartiges, auch Vollkornsachen, leckere Toasts oder belegte Brote, die Torte nicht zu vergessen. Nichts für Diabetiker, auch unscheinbare Pastelerias bieten eine hervorragende Qualität. Ich hatte also einen befriedigenden Tagesanfang.

    Beim Schlendern durch die Innenstadt besuchte ich eine kleine Galerie, wo ich mit der Betreiberin ins Gespräch kam. Sie gab mir einen kleinen Überblick über die Künstler, die sie vertritt, vor allem aber über ihr sich und ihren malenden Mann. Es entwickelte sich ein unterhaltsames Gespräch und am Ende hatte ich das Bild erworben, das mir gleich am Anfang ins Auge stach. Nicht zu vergessen, dass die Dame sehr entzückend war und eine begnadete Verkäuferin.
    Das alte Coimbra erstreckt sich vom Fluss – die Baixa – über den Berg zu dem Unigelände – die Alta. Ein wunderbares Gewirr von Treppen, verwinkelten Gässchen – etwa 2 Meter breit, autobefahrbare Straßen führte mich nach oben zum Unigelände. Seit 1290 gibt eine Uni, die seitdem umgebaut, erweitert, vergrößert und prächtiger wurde. In der Aufklärung wurde der Palast (!) der Uni zugeschlagen und diente seit dem der Gelehrsamkeit. Leitspruch der Bibliothek ist „Verwendet Bücher wie Waffen!“. Heute wurden die Bachelor der Psychologie entlassen und alle trugen Hüte und Capes, die Frauen schwarz gekleidet mit Rock und die Herren mit Anzug. Das war eine sehr lustige Veranstaltung, Bierchen wurden getrunken, die Flaschen in Papiertüten „versteckt“, man stand ich kleinen Grüppchen zusammen und es mutet ein wenig wie bei Harry Potter an. Vom große Hof hat man einen tollen Blick über die Stadt. Zumindest atmosphärisch wäre das ein toller Ort zu studieren.

    Später hatte ich noch dir Gelegenheit mit einer Studentin zu sprechen, die mit Museumsdienst Geld verdiente. Eigentlich ist das Studium an den staatlichen Unis kostenfrei. An den Wänden im Campusbereich findet man häufig einen gesprayten Spruch der sinngemäß besagt: „Lasst ab vom Trinkgeld geben!“. Die Studenten müssen für jedes Papier, jede Bestätigung, für ihr Abschlusszeugnis, für die Anmeldung zum folgenden Semester … bezahlen. Besonders kurios ist es mit dem Abschlusszeugnis, das man für 100 € digital bekommt, je nachdem was für Papier gewünscht wird, der Druck einfarbig oder bunt ist, mit Einband oder … kostet das dann bis zu 1000 €. Der Staat ist da sehr findig, für was er alles Geld verlangen kann. Es gibt auch eine Art Bafög, was aber auf der behördlichen Ämtergänge und Auflagen nur sehr schwer zu bekommen ist. Studiert man aber über das Erasmus Programm gibt es keinerlei zusätzlichen Kosten. Die aktuell rechte Regierung folgt da einem neoliberalen Ansatz und einer „Elitenbildung“. Wer hat bekommt.

    In die Bibliothek mit einem Bestand von etwa 60.000 alten Büchern werden nur sehr dosiert Touristen eingelassen und herrscht dort eine sehr besondere Atmosphäre. Die schiere Pracht an Verzierungen der Säulen, die die Bücheretagen tragen, Wandbilder, die der Wissenschaft und Weisheit gewidmet strahlen Ehrfurcht aus. Es werden aus dem Bestand immer noch Bilder ausgeliehen, sie wird zudem aktuell digitalisiert. Eine Besonderheit sind die Fledermäuse, die in der Bibliothek leben. Die Tische werden nachts abgedeckt und die Fledermäuse „kümmern“ sich um die Insekten, die den Büchern zu Leibe rücken wollen. Das nenne ich mal „Win – Win“.

    Auf. dem Weg zu Hotel habe ich noch Einkehr gehalten vor der kleinsten Bar mit Außenbereich. Über mehrere Stufen und kleine Absätze verteilten sich Hocker und ein paar Tische für 2 Personen. Dort entstand auch die Abwandlung von „Fische’s Nachtgesang“. Frittierte Sardine eingelegt in Essig, Öl, Koriander, Knoblauch etwas Zwiebel. So eine Art Brathering in Lecker! Nicht zu vergessen die Kroketten aus Bacalau und Krabben. Alles zusammen mit einem Bier 5 €.