
Heute schlug ich einen Haken von Coimbra über Viseu nach Aveiro, wieder zurück ans Meer. Ich wählte diesmal im Navi die „schnellere“ Variante, die sich aber immer noch als hinreichend kurvig herausstellte. Je nach Strecke und Dichte der Erschließung flippt das Navi bei „kurvig“ noch einen Haken ein, der einfach sinnlos ist für das Weiterkommen. Allerdings hat man beim Kurvenzähler wieder ein paar Bonuspunkte gesammelt.
Passend zum bevorzugten Baumaterial „Granit grobkörnig“ war das Wetter, vorwiegend freundlich grau. Auf sehr kleiner Fläche kann man hier die verschiedensten Bauepochen sehen, einschließlich aktueller Bausünden. Sehr eng und gedrängt und steil ist der Bereich der Altstadt.

















Das besondere an der Kathedrale sind die verschiedenen Baustile, beginnend beim romantischen Stil, über die Gotik, Renaissance und Barock. Bei Betreten der Kirche umfing mich ein muffig feuchter Geruch, angereichert mit einem Hauch von Reinigungsmittel. Ein Reinigungsteam war mit einem Staubsauger am Werke um die Heiligen zu entstauben und auch sonst wurde fleißig gefeudelt und gestrahlt. Wurden anfänglich die Flächen zwischen der Säulen leer gelassen, später bemalt, hat man final begonnen Heiligengeschichten auf Fliesen zu erzählen. Bei einer Fliesengeschichten waren die Gefesselten mit heiteren Gesichtern zu sehen. Die mussten komplett neu mit der katholischen Kirche in Kontakt gekommen sein. Ein Höhepunkt in der Kirche ist der Unterarm des hl. Teodosius, wobei man in der Verpackung einen Schlitz gelassen hat, damit die Knochen zu sehen sind. Das muss dann schon passen!
Warum fliest der Portugiese alles? „Weil er es kann!“ und das in Vollendung!
Warum nicht mal einen Treppenaufgang und eine Rampe? Oder den kompletten Eingangsbereich des Rathauses. Da wurden von reiner Ornamentik bis zum realistischen Arbeiter alle Register gezogen. Beim Betreten des Rathauses habe ich gefragt, ob ich mir den Treppenbereich mal ansehen darf. Die Dame am Empfang ist aufgestanden und hat mir gezeigt, was ich mir anschauen an. Das werde ich dann mal beim Pförtner in Berlin in einem der Bürgerämter versuchen. Könnte lustig werden, vor allem bei der hervorragenden Innengestaltung.



Zwischendrin bei der Weiterfahrt musste ich absteigen und mal in die Landschaft schreien, weil es so schön war. Portugal ist der Brüller! So unterschiedliche Landschaften auf so kleiner Fläche, das ist einfach umwerfend. Und ich habe bisher nur nette Menschen getroffen. Wenn ich zB zum Fotos machen mit dem Moto mal etwas unglücklich am Straßenrand stehe, dann wird davon kein Aufhebens gemacht, sondern eher gelacht, zugewinkt und den Daumen hochgereckt. Es scheint so, dass der Portugiese sich freut, dass ich mich an der Landschaft erfreue.











Zum Zeltplatz ging es noch um eine Lagune herum auf eine Landzunge. Ich glaube aktuell sind keine 10 Menschen auf dem Campingplatz, mit Zelt war ich der einzige. Allerdings ist es gar nicht so einfach, sich für einen Platz zu entscheiden, wenn 90 % der Plätze frei sind. Es kühlte relativ schnell ab und alles war schnell beschlagen. Dafür gab es dann auch keine Moskitos mehr. Autos fuhren kaum und das Meer ist laut und deutlich zu hören. Schön wieder im Zelt zu schlafen!