Da war ich dann doch erstaunt, als ich aus dem Zelt blickte. Jetzt war der restliche Zeltplatz auch noch im Nebel verschwunden und die Stimmung war noch besonderer. Gegen 9 Uhr verzog sich der Nebel und es begann hell und warm zu werden. Auf dem Weg zur Cafeteria hatte ich noch eine eigenartige Begegnung. Ein Mann aus Hildburghausen -Thüringen – grüßte ganz nett und wir kamen ins Gespräch. Wir plauderten über unsere Reiserouten, darüber dass er auch Motorradfahrer war, jetzt aber Roller fährt, den er auch mit seinem Camper auf einem Anhänger mit nahm. Ehe ich mich versehen hatte, aus dem Nichts, sagte er, dass man Russland doch den Donbas geben sollte und Selenski – der alte Kriegstreiber – sollte abtreten. Der einfache Ukrainer würde nur in Frieden leben wollen, er habe in Ukraine gearbeitet und er kennt die Ukrainer. Und weil er gerade dabei war, meinte unsere korrupte Regierung solle auch gleich abtreten. Bei einer Bundespressekonferenz habe ein Journalist, der noch nicht korrupt ist, getraut zu fragen, welche der Regierungsmitglieder Rheinmetallaktien besäßen. Da der Pressesprecher darauf verwies, dass er das nicht wisse und auch das auch nicht sagen dürfte. Damit war klar, dass die ganze Regierung an Rheinmetall mit verdient. Immerhin räumte der Mann ein, dass ja jeder seine Meinung dazu haben dürfte. Da ich nicht seiner Meinung war, versiegte dann das Gespräch sehr schnell. Es war noch meinem ersten Kaffee und ich hatte auch keine Lust auf ein derartiges Gespräch, wobei ich dann doch den ganzen Tag darüber nachdenken musste. Was ich gerne gewusst hätte, ob er damals die Grenzöffnung begrüßt hatte. Zumindest war er etwas erbost, dass der „Ami“ seine Gegend gegen „Scheiß“-Westberlin an den Russen verscherbelt hat.
Nach dem ich meine eigentlichen Morgenaufgaben erledigt hatte, verfolgte ich konsequent meinen Plan: „Heute nichts tun!“. Das hieß mal wieder an den Strand gehen, wo ich doch die ganze Nacht vom Sound der Wellen begleitet wurde. Das nette Mädel von der Rezeption – sehr bunt und ziemlich gepierct – zeigte mir den Weg und schärfte mir ein niemals den Pfad zu verlassen. Es könnt sonst sein, dass ich dann parallel zur Küste laufe und dann wird der Weg echt lang.




Anfangs war das auch noch ziemlich eindeutig, was sie Weg meinte. Es begann mit einer Brandschneise zum Zeltplatz und dann war es immer noch ein gut erkennbarer Pfad. Dieser wurde immer schmaler und war als solcher lesbar, weil wohl kurz vorher Leute entlang liefen und das Gras nieder getreten war. Da kamen mir meine Spurenleserkennntisse, die ich mir bei Karl May und dem Lederstrumpf erworben hatte, sofort zu gute. Der Weg verlor sich im Gestrüpp und ich musste gebückt unter Ästen hindurch schlüpfen, ein kleiner Anstieg, das Meeresrauschen wurde immer lauter, Richtung stimmt noch und dann liegt der dünige Strand mit strahlend weißen Sand vor mir. Beindruckend hohe Wellen brechen kurz vor dem Strand, weißschaumig laufen die Wellen am Strand aus. In beide Richtungen ist das Ende des Strandes nicht auszumachen, Strand, Gischt und Horizont werden Eins. Das ist einen Schrei wert!














Das ist jetzt kein Badeort Strand und so kann man ganz gut sehen, was so angespült wird. Das ist zu 100% Plastikmüll in Form von Flaschen, die als Schwimmer verwendet werden, Reste von Tauen und Netzen. Das sind jetzt keine Unmengen, es stört halt. Es ist auch zuviel, um es mal soeben mit zunehmen und in die gelbe Tonne zu werfen. Nach einer kurzen Wasserprobe – sehr kurz, es ist so unglaublich kalt – legte ich mich in den Windschatten einer Düne, bereit für ein Schläfchen. Nach so viel Abenteuer! Plötzlich zwickt mich was in das Bein und da war er wieder der Stänkerkäfer. Er ist so groß wie ein 20 Cent Stück, schwarz, gedrungen und rundlich. Ich lag ihm wohl im Weg auf einer seiner Routen durch die Dünen. Da hat er sich eben bemerkbar gemacht. Ich sah dann später noch ein paar von diesen Exemplaren am Strand herum laufen, alle total emsig, scheinbar einem Plan oder Weg folgend.




Die Vegetation entlang des Weges ist sehr abwechsunglsreich, in den offenen Bereichen erinnert es an eine Heidelandschaft. Die Sandspezialisten vom Strand finde ich besonders. Da kommen Blüten aus dem nichts, tannenbaumartige Sukkulenten stehen wie Minibäume herum und bilden Miniwälder. Und dann gibt es natürlich auch die Strandgräser. Manche abgestorbenen Äste und Kiefernzapfen bilden kleine „Gestecke“, ausgeblichen von der Sonne in schönem Kontrast zu dem satten grün der Sukkulenten. Die dicken Knubbel an dem Ast sind keine Gallen und Krebswucherungen, das gehört so. Es handelt sich um die Acacia longifolia, beheimatet in Australien und wurde in Portugal eingeschleppt. Sie gilt als hoch invasive Art in Portugal , die sehr wüchsig ist und in 5-7 Jahren zu einem 6-10 m hohen Baum heranwachsen kann. In Australien gilt die Pflanze als Unkraut.
Der „Superbock“ schmeckte nach den Abenteuern besonders gut!