Sagres – Cabo Sao Vincente

Heute war wieder Wäschetag, bei dem aktuellen Wind konnte man sich den Trockner auf jeden Fall sparen. Ich hatte die Brille vergessen für die Bedienungsanleitung und ging zurück zum Zelt, Dennis hatte es offensichtlich eilig, als ich zurückkam war er total erbost, dass ihm die Maschine 6 € „geklaut“ hätte, weil sie sich nicht starten lies. Mit Karten war nix mit Geldrückgabe, sein Englisch ist eher holprig und so machte ich mich auf den Weg zur Rezeption. Ehe ich an der Maschine zurück war, war schon der Servicemann vom Zeltplatz da, rief eine Servicenummer in Lissabon an und es stellte sich nach einer Weile heraus, dass seine Bank – Schweizer Bank!- die Zahlung an den Waschmaschinenbetreiber verweigerte, aus Sicherheitsgründen. In dem Fall war es natürlich gut, dass sich das alles so gut zurückverfolgen lies, aber gespenstisch ist das schon. Das war echt ein großartiger Service von dem Mitarbeiter des Zeltplatzes! Obrigado!
Danach hatte Dennis bestimmt eine Stundung über das bescheidene Schweizer Bankensystem geschimpft, die Korruption der UBS, die Verflechtung von Politik und Banken … . Zu guter Letzt sagte er, dass er mal auf die Schweiz stolz war, das sei aber lange her. Sowas hörte ich zum allerersten Mal von einem Schweizer.

Die Biertrinen kennen vielleicht die Biersorte Sagres, wobei der Ort nur als Namensgeber diente. Gebraut wird das Bier in Lissabon. Der Ort wird gerne von Surfern und Wanderern angesteuert, ist ansonsten unspektakulär. Das macht aber die Küste wieder wett. Das Fort auf einer Landzunge war leider geschlossen. Auf der Westseite gab es ganz ordentliche Wellen, das Meer auf der Ostseite war fast spiegelglatt. Es ankerten ein paar Boote in der Bucht und ich musste sofort an die Seahorse denken, die würde sich hier auch gut machen! Es war echt kalt -17°- und ein Höllenwind, laut Windy 40 km pro Stunde. Je nachdem war es gar nicht so einfach ein Foto zu machen, weil das Handy eine erhebliche Angriffsfläche für den Wind bot. Ich war mit den Mopedklamotten fein raus, aber einige mutige, vor allem Frauen in leichten Strandkleidern mussten echt leiden. Eine Frau, der Wind blies ihr den Rock bis zum Po hoch, hatte richtig blaue Beine, das sah richtig ungesund aus. Da hatte ich echt Mitleid.

Cabo Sao Vinente ist der süd-westlichste Punkt von Festland Portugal. Vor den Touristen waren da die Römer, Griechen, und Steinzeitmenschen, von denen es noch Zeugnisse gibt. Der Leuchtturm ist der lichtstärkste in Europa, von rund 60 km Entfernung zu sehen und Schiffe halten großen Abstand zu dem Kap. Ein deutscher Imbissbudenbruzzler wirbt mit der „Letzten Bratwurst vor Amerika“.
Leider war der Leuchtturm nicht zu besuchen, man konnte aber links und rechts noch ein wenig Nervenkitzel erleben und sich Richtung Klippen bewegen. Eine kleine Betonstele erinnerte daran, dass hier von ein paar Jahren ein „mutiger“ Schwede nach unten stürzte. Mit der gebotenen Vorsicht waren aber ein paar Schritte möglich, von sind auch die Videoschnipsel. Hier donnerten dann so richtig die Wellen an die Küste, das war jetzt ein wenig so, wie ich mir Atlantikwellen vorstelle.

Auf Empfehlung einer entzückenden Mitarbeiten vom Zeltplatz, machte ich noch einen kleinen Abstecher zu einer Surferbucht. Die sehr schmale Straße windet sich in einem Tal abwärts Richtung Meer und es war so entspannend mal im Windschatten zu fahren. Es gab zwar immer wieder Ausweichbuchten aber ich war schon froh, dass mir niemand entgegen kam. Am Strand war ganz alleine, es war aber schon auch nach 18:00. Eine Welle nach der anderen rollte Richtung Strand, durch den Wind war es sehr gischtig und ganz schnell hatte ich eine salzige Haut. Wind und Welle machten einen ganz tollen Sound, es begeistert mich jedesmal von neuem.
Besonders ist der Wuchs der Bäume, hier Pinien, deren Krone komplett in Windrichtung ausgeprägt ist.

Am Abend schauten wir den Bayern zu, wie sie beim CL Spiel das Finale verpassten. Die anwesenden Briten bedauerten das Ausscheiden der Münchner.