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  • Angeiras – Caminha

    Caminha wird mein letzter Ort in Portugal sein. Vor lauter Fahren und Schauen habe ich ganz vergessen Bilder zu machen. Die PortugalkennerInnen wissen vielleicht, dass das die Gegend des Vinho Verde ist. Die Menge des Weins, die Größe der Weingärten passen nicht ganz zusammen. Vielleicht ist das auch so wie mit dem Spargel „Beelitzer Art“ und natürlich habe ich nicht alle Weingärten gesehen.

    Bei Ponte der Lima habe ich dann eine längere Pause mit Stadtrundgang eingelegt. Die (gemeinen) Römer haben sich lange geweigert den Fluß zu überqueren, weil sie der Meinung waren, dass es der „Fluß des Vergessens“ ist. Würden sie ihn queren, würden sie nie mehr nach Hause wollen. Ein General überquerte den Fluß, hat die Soldaten beim Namen angerufen, dass sie den Fluß queren können. Das hat gewirkt! So kamen die Römer dann Richtung Norden und haben die Atlantikküste besiedelt. Geschichten gibt’s! Auf jeden Fall dient die alte Römerbrücke der neuen aus dem 15. Jahrhundert als Fundament.

    So ein Fluss, der nicht kanalisiert durch eine Stadt fließt hat schon eine besondere Qualität. Mal abgesehen davon, dass er bei Hochwasser nicht so viel Unheil anrichten kann, wenn er Platz hat, weitet er den Blick. Nach einem Spaziergang durch die alten mittelalterlichen Gassen, fühlt man eine gewisse Freiheit, wenn man am Ufer steht. Auch jetzt noch, wie mag das für die Menschen gewesen sein, die hinter geschlossenen Stadttoren lebten. Gut sie waren immerhin vor Feinden geschützt. Erstaunlich finde ich immer wieder, wie viele kleine Geschäfte es immer noch in den Städtchen gibt. Die leben nicht vom Tourismus, offensichtlich kaufen da immer noch genug lokale Menschen ein. Es ist schon erstaunlich, dass sich bei einer fast flächendeckenden 5G Versorgung nicht alle dem Amazon und Livererando Hype hingeben. Der lokale „Dealer“ scheint sich noch einer Wertschätzung zu erfreuen. Natürlich können die Läden jetzt nicht preislich mit Primark oder H&M mithalten, aber es gibt schöne Läden, die aktuelle Mode verkaufen.

    Richtung Zeltplatz bin ich in eine Prozession geraten. Eigentlich habe ich ja nichts gegen katholische Folklore, die Trachten und die Musik waren schon beeindruckend. Es wurden verschiedene Marienstatuen von Männern getragen, die alle 100 Meter ein Päuschen einlegen mussten. Da kamen die Helfer zum Einsatz, die Maria mit einem Stock stützten. Das wäre auch noch länger interessant gewesen, aber in voller Mopedmontur machte das keinen Spaß, das floß ordentlich Wasser den Rücken hinunter. Die beiden unter dem Zitronenbaum hätten zwar den. Schatten mit mir geteilt, aber es war mir einfach zu heiß. Außerdem hätte ich für die Weiterfahrt noch eine Stunde ausharren müssen.

    Der Campingplatz war wunderschön am Delta des Rio Minho gelegen und ich hatte eine schönen Platz mit nur einem Nachbarn. Auf den ersten Blick schien der etwas mürrisch zu sein, saß da auf seinem Stühlen und hat sich um seinen Hund gekümmert. Das hätte fast ein Deutscher sein können, war aber Spanier. Es hat sich abends ziemlich zu gezogen, Nebel stiegen auf und am gegenüberliegenden Ufer schrammte eine Wolke den Berg, der liegt schon auf der spanischen Seite. Auf der vorgelagerten Insel mit Festung blinkte grün ein Licht, das gegen die Gischt und den Nebel ankämpfte. Eine wunderbare Abendstimmung, zumindest ich kann mich am Klang der Wellen nicht satteren. Irgendwie klingt es gleich und dann doch immer wieder anders. Das wäre mal was für eine Langzeit Soundanalyse, falls es das nicht ohnehin schon gibt. Ich nahm noch Feierabendbierchen und dachte ich in Österreich in einem Beiserl. Ein Pärchen ist Pächter des Ladens und das erklärte auch das Achtel als Weinmaß und das Wienerschnitzel. Laut der Pächterin kommen das auch mal die Deutschen zum Essen. Der Laden machte ziemlich früh zu und ein anderer Motorradfahrer hatte gerade noch ein Bierchen bekommen. Wir saßen so im Halbdunkel und kamen ins Reden. Der hat lauter lustige Geschichten von sich gegeben. Auf Grund eines Filmes hat er den Mopedführerschein gemacht und dann gleich einen Riesenchopper mit 1700 ccm von Kawasaki gekauft. Dann auf ein Motorradtreffen und er wurde gefragt, was er für ein Moped hat und wie lange er schon fährt. „Halbes Jahr“ und sie haben ihn für komplett verrückt erklärt. Das wurmte ihn und hat beim nächsten Bikertreffen auf 3 Jahre erhöht und die Biker habe ihn immer noch für Gaga erklärt. Beim nächsten Treffen hat auf 7 Jahre erhöht und das haben die Anderen dann durchgehen lassen. Alles innerhalb eines Jahres. In den Alpen hat er sich im selben Jahr noch an die Pässe gewagt und wäre fast gestorben nach seiner Aussage. Er hat es unfallfrei überlebt und fühlte sich dann wesentlich besser. Lauter so Zeug hat er zum besten gegeben. Es war so einTyp aus kleiner Angeber mit Kohle und von einer grenzenlosen Naivität beseelt. Er hat sich jetzt für diese Fahrt eine 1300 er BMW gekauft, um richtig Moped zu fahren. Den Chopper nimmt er nur noch zum Cruiser in Krefeld.
    Im Zelt waren nur die Wellen zu hören und die Nachtvögel.