Rocio – Doñana

7:00 aufstehen und um 8:00 geht es mit einem Allradbus in den Park. Es waren 2 Männer vorne im Bus, einer der aussah wie ein Fahrer, was er dann auch war und einer der aussah wie ein junger Wissenschaftler in Rangerkleidung. Ich hatte die Reise für englisch Sprechende gebucht, im Bus waren nur Spanier, eine Frau aus Dänemark und ich. So musste Manuel – Fahrer und Guide („Führer“ macht sich einfach schlecht)- alles 2 x erklären. Als er mitbekam, dass ich ganz gut spanisch folgen konnte, fielen die Erklärungen auf englisch etwas dürftiger aus. Ein wenig wie die Ansagen auf englisch bei der DB. Sein Kollege war sozusagen in der Ausbildung und musste dann immer zwischen drin mal erklären. Wenn er verfranste sprang sein Kollege ein. Manuel hat seinen Kollegen immer wieder ermuntert zu sprechen aber er hat ihn auch immer wieder auf eine nette Art hoch genommen. Immer mit einem Augenzwinkern und sehr humorvoll. „Autonomes“ Fahren im Park darf man sich so vorstellen: Fahrer sitzt mit dem Hintern auf dem Lenkrad, während er zu seinen Schutzbefohlenen spricht. Das wird aber nur auf geraden Strecken angewendet!
Die Tour war super beeindruckend, was die Bilder so nicht wiedergeben, mal abgesehen von der Weite. Vögel im Gebüsch oder in der Ferne sind dann eher was für den Moment das Erlebens. Andererseits für alle die mal in die Ecke kommen, aus meiner Sicht ein Muss sich die Doñana mal anzusehen und unbedingt mit einer geführten Tour. Der Park besteht aus 2 Teilen, dem Etagenwald, ein mehrstufiger Wald mit Bäumen, Sträuchern und Stauden, der die Heimat viele Tiere ist. Die Pinien haben hier eigentlich nichts verloren, obwohl sie seit Jahrhunderten hier angepflanzt wurden. Das ist ein artenarmer Nutzwald und äußerst störanfällig. Schade eigentlich! Der zweite Teil ist das Marschland, ein Überschwemmungsgebiet, das auch auch mal trocken fallen kann. Neben Dauernutzern bietet es Station für Zugvögel, sowohl für Winterflüchtlinge wie Südflüchtlinge, denen es in Afrika zu heiß wird. Neben den – fast – frei lebenden Wildpferden, gibt es noch Weidenutzung, wer bei den Rindern an die Longhorns aus den Western denkt, liegt richtig. Dazu später mehr. Die Pferde sind fast frei, nur einmal im Jahr werden die Stuten zusammengetrieben und auf einen Markt gebracht. Nach dem Markt werden die nicht verkauften Pferde wieder frei gelassen. Weiteres hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Coto_de_Doñana

Neben der Natur war das Besondere Manuel, der mit einer wahren Liebe und Hingabe von dem Park erzählt hat. Das wird man so nicht bei jedem Guide erleben. Leider sagte er, sind seine Landsleute superstolz auf ihre Naturschönheiten und Nationalparks, im Alltag kümmern sie sich aber nicht darum. Der brennt wirklich für den Park und versucht das fragile Gleichgewicht den Teilnehmern zu vermitteln. Die Region von Huelva ist europaweit bekannt für die ersten Freiland Erdbeeren und Blaubeeren. Entsprechend sieht es aus, ein Folientunnel neben dem anderen, über die ganze Ebene verteilt. Für ein Kilo Erdbeeren werden 200 Liter Wasser verbraucht mit dem Erfolg, dass der Grundwasserspiegel sinkt, der auch von der Doñana gespeist wird. Bei dem aktuellen Wasserverbrauch wird es diese Landschaft in dieser Form in 30 Jahren nicht mehr geben. Die einzige Lösung ist zuhause saisonal essen.
Spanien besser die Regierung Sanchez waren die einzigen in Europa, die sich der Übergriffigkeit von Trump entgegenstellten. Es war Manuel ein Anliegen zurecht zu rücken, woher einiges aus der amerikanischen Folklore eigentlich kommt. Mit den Kolonien im Süden der USA – bis in die 1820er Jahre – brachten die Spanier ihre Form der Viehzucht nach Amerika. Die Ikonen des amerikanischen Selbstverständnisses wie das Longhorn Rind, das Rodeo und die Ranch sind spanischen Ursprungs. Ranch von Rancho ist ein Ensemble bestehend aus Wohngebäude, Stall und Vorratsgebäude.
Meine Nachbarn auf dem Campingplatz waren aus der Gegend von Landshut, ein sehr nettes Pärchen. Der Mann erzählte von seinem Bruder, der noch nachkommen wird. Nachdem er sein Wohnmobil gegenüber abgestellt hatte, bot er mir ein frisches Augustiner an, da konnte ich nicht nein sagen. Mein erstes Bier „mit“ auf der Reise! Ich dachte nach der „Wiedervereinigung“ der Brüder gibt es ein gemeinsames Abendessen oder Zusammensitzen auf dem Platz. Weit gefehlt! Jeder ging in sein Wohnmobil und hat da seinen Abend verbracht.