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  • Cascais – Stadtspaziergang

    So schön kann ein Stellplatz für das Zelt sein! Siehe die Stämme und Kronen der Pinien, die sind mit Hauptwindrichtung gewachsen. Bis auf den Wind, der durchs Zelt pfiff, war die Nacht angenehm ruhig.

    Ich parkte vor der Festungsanlage, die heute mehrfach genutzt wird. Neben einem Hotel, das zum Teil Bestandgebäude nutzt, gibt es eine Ausstellung und Plastiken im Garten. Jeder kann einfach durchschlendern, nur im Hotel bestehen sie dann auf dem Hausrecht. Ich wagte mich ein wenig zu tief die heiligen Hallen. Hinter dem Wehgang sind die Balkons einiger Zimmer und plötzlich stand da eine Frau im weißen Bademantel zwischen den Zinnen, wo früher die Stadt verteidigt wurde. Die Waffen haben sich geändert.
    Der Weg aus der Festung führt direkt in den Sporthafen und kann dann über eine Promenade Richtung Altes Stadtzentrum laufen. Plötzlich roch es so dermaßen lecker vor einer der kleinen Buden nach frisch gegrilltem Fisch. Es war aber leider eine Privatveranstaltung, auch dummes Nachfragen brachte mich nicht weiter. Die alten Häuschen sehen recht pittoresk aus, neben allen möglichen Restaurants, gibt es Souvenirs zu kaufen, vielmehr ist da nicht. Es ist halt heute ein Badeort, mit einem schönen Stadtstrand. Die Straßen der Fußgängerzone sind eigentlich in jeder Stadt mit wunderschönem Mosaikpflaster belegt, das auch heute noch verlegt wird. Es gibt viele Variationen in dem Wellenmuster, gelegentlich werden auch eckige Muster verlegt, die an maurische Schmuckbänder erinnern. Im „Jardim do Frango“, was man mit Garten der Hühner übersetzen könnte gab es Mittagessen. Hier wird schnell und laut serviert, es ist eine Art Volksküche, wo Cascais zu Mittag essen. Neben den Hühnern gibt auch anderes Essen, das auch sehr gut ist. Obwohl es ein „Volkslokal“ ist, sind die Preise nur etwas geringer als in den anderen Lokalen, da geht Qualität vor.

    Paula Rega (https://de.wikipedia.org/wiki/Paula_Rego) ist eine hoch angesehene portugiesische Künstlerin, die in dem extra für sie gebauten Museum eine Dauerausstellung hat. Es ist eine sehr eigenwillige Art der Malerei und Kollagen, die mich beeindruckt und berührt hat. Vor allem mit den feministischen Werken zu der Hexenverfolgung und Genitalverstümmelung, die mitten in der portugiesischen Gesellschaft statt gefunden hat. Mit einem falschen Toleranzverständnis anderen Kulturen gegenüber, wurde nicht eingeschritten. Erschreckend dabei fand ich, wie Mütter und Großmütter, die Verstümmelung immer weiter praktizierten. Wieviel Angst vor einer weiblichen Lust müssen Männer haben, die sich so eine Perversion ausdenken.

    Auf dem Weg zum Boca de Inferno – Höllenschlund – passierte ich einen öffentlichen Park, der abends immer geschlossen wird. In dem laufen Hühner frei herum und das „Nest“ auf dem Bild war sogar außerhalb des Eingangstores. Da bekommt der Namen „Jardim do Frango“ noch mal eine andere Bedeutung. Der Weg zum Schlund führt entlang einer schönen zerklüfteten Steilküste. Die meiste Zeit ist der Höllenschlund harmlos, nur wenn der Wind die Wellen gegen die Küste treibt, brodelt es in dem kleinen Becken. Ich habe ein Bild gefunden, das ganz illustriert, was dann los ist. Das muss ein Höllenlärm sein, ist auch jetzt schon das Meer der dominierende Sound.
    … und dann mal wieder ein Urlaubsbild!
    A propos Sound. Das Motorrad hat eine selbstangepasste Auspuffanlage, die auch „Hölle“ verspricht. Leider habe ich es nur gesehen und nicht gehört.

    Zurück am Moped wollte ich mein Navi einschalten, der Bildschirm zeigte die Route und dann war der Bildschirm schwarz. Keine Möglichkeit für einen Neustart des Telefons. Der Rückfahrt mit echter Karte, Brille und einem verwirrenden Straßengewirr waren eine sehr aufregende Erfahrung. Es gibt viele Dinge, die nicht passieren dürfen, der Ausfall des Telefons gehört definitiv dazu. Gut, dass ich noch das MB dabei habe und fand eine hilfreiche Seite beim Apple Support.