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  • Camping – Cadiz

    Heute stand Cadiz auf dem Plan. Wir fuhren mit dem Motorrad nach Rota, von da aus gibt es eine Fähre nach Cadiz. Die Angaben im Internet sind aktuell etwas tückisch. Wir hatten Glück, die Abfahrt war später, allerdings war die Hinfahrt mit dem Bus. Angekommen sind wir im Hafen von Cadiz, genau da, wo eigentlich auch die Fähre anlegt. Den Blick auf die erste Häuserreihe versperrt ein Kreuzfahrtschiff der Luxusklasse. Es überragt alle Häuser der Altstadt. Die wahren Dimensionen des Schiffs erfasste ich erst von dem Turm der Kathedrale. Auch wenn es in der Klasse der Superschiffe angesiedelt ist, meines wäre es nicht.
    Das Schöne an einem Zweit- oder Drittbesuch ist, dass man sich einfach treiben lassen kann, ohne das Gefühl, etwas zu versäumen. Vor der Kathedrale spielte ein Gitarrenduo, live und leicht verstärkt, Klassiker, der guten Unterhaltungsmusik und auch eigene Stücke. Eine wunderbare Möglichkeit Zeit zu verbringen, außerdem laufen ja auch noch jede Menge andere Touristen vorbei. Es gibt dann schon wunderbare Bilder, am Nebentisch ein englisches Pärchen, beide mehr oder weniger in Alt rosa gekleidet, ppassend zur Hautfarbe. Auffallend war außerdem, dass jetzt vor allem afrikanische Frauen die üblichen Strandutensilien wie Handtücher, Sonnenschutz, und Schmuck aus Afrika (in China) gefertigt anbieten. Eine dieser Damen, war mit ihrem Sohn unterwegs, den sie mit einem blauen Band, das an seiner Hand befestigt war, hinterher zog. Das sah schon etwas makaber aus. Ich besuchte die Kathedrale, und sah mir den so genannten „Mystery Man“ an. Der unbedarfte Tourist wird gewarnt, dass es sich bei dem Artefakt zu schockierenden Reaktionen kommen kann. Wobei eigentlich jeder, der mit der katholischen Bildsprache vertraut ist, mit gemarterten Menschen eigentlich per du ist. Nachdem Turiner Leichentuch Jesu, auf dem alle seine Wunden sichtbar sind, wurde eine Figur in 15 jähriger Arbeit von einem Forschungstrupp geformt. In hyperrealistischer Manier, sieht man die Wunden der Geißelung und auch die Knieverletzungen, wo Jesus mit dem Kreuz gestolpert ist, Stigmata inklusive. Handwerklich ist das wirklich beeindruckend, aber es bedient schon ordentlich den Gruselvoyeurismus. So wie Körperwelten nur eben katholisch. Beeindruckt hat es mich schon. Vom Glockenturm aus hatte ich eine großartige Rundumsicht auf Cadiz. Diesmal war es keine Turmbesteigung – als Höhe durch Stufen- sondern es führte eine Rampe bis fast unter die dicken Glocken. Die letzten Höhenmeter überwand ich dann doch noch über eine Wendeltreppe. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass das schon immer so war, keine Anpassung an fußkranke Besucher. Mehr oder weniger sagte der Kirchturmrampenwärter auf spanisch „Isch halt so“.
    Wir liefen dann auf die vorgelagerte Halbinsel San Sebastian. Die Befestigungsanlage diente mal als Quarantänestation für ankommende Schiffe, die aus dem Pestgebiet Venedig (1575)  anlegten. Auf dem Weg zur Festung, neben der Mauer auf der Wasserseite, war ein Haufen von Decken und Koffern. Der vermeintliche Müllhaufen entpuppte sich als Lager, das vermutlich von Emigranten bewohnt wird. Bestimmt sind die Umstände der Menschen unmöglich, aber die Aussicht ist unglaublich toll.
    Allmählich ging’s schon wieder zurück zum Hafen, diesmal tatsächlich mit der Fähre, einem Trimaran zurück nach Rota. Wellengang und Wind vermittelten ein wenig Hochseegefühle, mir machte es auf jeden Fall Spaß.