Cascais – Nazarè

Ab jetzt geht es erstmal immer weiter mehr oder weniger nach Norden. Wieder knapp hinter der Steilküste, etwas windgeschützter, fuhr ich durch eine wunderbare, saftiggrüne, blühende Landschaft. Die kleinteilige Landwirtschaft prägt das Bild, ebenso die sanften Hügel. Es ist immer wieder wohltuend für meine Wahrnehmung ständige wechselnde Felder zu sehen. Mit den sich ändernden Felden, wechseln auch die Gerüche und zum Teil auch die Temperaturen. Es gibt da spürbares Microklima.Tatsächlich sind die kleinen Windmühlen nicht nur Folklore, sondern sie sind auch noch in Betrieb. Der Wind bläst ordentlich von Nord-Westen und einzelnen Segel der Windmühlen sind stark gerefft. Das war zumindest für mich neu, dass die Windmühlen mit Segeln betrieben werden. Sehr schwer auf dem Bild zuerkennen
Ein Landgasthof lädt zum Mittagessen ein und es herrscht wieder Vollbetrieb. Beim Zahlen komme ich mit dem Betreiber ins Gespräch, der vor 43 Jahren eine Weile in Deutschland an der Holländischen Grenze arbeitete. Er hat es wegen der Kälte dort aber nicht sehr Lange ausgehalten, damit meinte er aber nicht nur die physische Kälte. Das gesellschaftliche Klima muss zu der Zeit immer noch sehr unfreundlich zu den sogenannten Gastarbeitern gewesen sein. „Wir holten Arbeitskräfte und es kamen Menschen.“ geht mir immer wieder durch den Kopf.

Die Halbinsel Peniche und der Strand auf dem Weg dahin wird gerne von den Surfern angesteuert. Es hat aktuell so um die 15° und einen ordentlichen Wind. Ständig kommen schnatternde Surfende aus dem Wasser und suchen Schutz in den Surfhütten. Das sind kleine Cafés mit Umkleidemöglichkeiten und einem Lager für Surfboards. Die Dünenlandschaft ist wunderbar, man wird immer ein wenig sandgestrahlt. Es wird offensichtlich viel für den Schutz der Dünenlandschaft gemacht und die Menschen scheinen sich an die Wegeführung zu halten. Zumindest habe ich keine „wilden“ Wege gesehen.
Auch hier gaben sich Kelten, Phönizier und Römer die Hand, heute noch prominent ist die Festung.Eine schmale, steile Bucht trennt die Bebauung unmittelbar an der Steilküste von den Festungsplateu an dieser Stelle ab. Die Häuser sind alle sehr klein und bunt.

Bei der Lagune von Obidos, die sich weit verzweigt in das Landesinnere erstreckt, bin ich richtig ärgerlich geworden. Landschaftlich ist das ganz wunderbar! Aber irgendwelche Supereichen mit den bekannten Immoblienentwicklern oder Hökerern haben da eine riesiges Areal entwaldet, bebaut, mit einem riesigen Golfplatz ausgestattet und zu einer „Gated Community“ umgewandelt. Das sind hunderte von Häusern, die da sinnlos rumstehen und für 3 Wochen im Jahr für Ferien benutz werden. Wer da baut, verbringt seine Zeit natürlich nicht nur an einem Ort. Diese Art von Landnahme sollte verboten werden! Das was da als Royal Property Golf Resort and Real Estate zu sehen ist, ist alles eingezäunt und bewacht. Natürlich ist die Immobilienkrake Engels & Völkers auch mit am Start.

Sao Paulo do Martinho, ein Ort der sich über einen steil ansteigenden Berg erstreckt macht ich ein kleines Fahrpäuschen. Endlich konnte der Portugiese seiner Leidenschaft Aufzüge zu bauen nachgehen und die beiden Ortsteile verbinden. Beiden steilen Gassen ist das aber wirklich auch eine Erleichterung und das nicht für alte Leute! Neben den klassischen Häuschen fand ich dann noch diesen sehr ansprechenden reinen Betonbau.
Leider weiß ich noch nicht den Namen des Baums mit diesen schönen filigranen Blüten.

Die Ankunft auf dem dem Zeltplatz war etwas ernüchtern, vor allem nach den tollen letzten Plätzen. Ein fürchterlicher Sturm Anfang des Jahres hat die ganze Küste schwer getroffen und in dem Fall den Platz so ziemlich entwaldet. Ein Teil des Platzes war noch gesperrt und muss erst noch wieder hergestellt werden. Dafür waren die Leute von Orbitur wieder super nett und eine Nacht geht immer. Kurz war ich alleine im Restaurant, mit mir noch ein Pärchen in etwa meinem Alter am Nebentisch. Eine Truppe vom „Classic Mini Club Portugal“ fiel regelrecht in das Restaurant ein, der Lärmpegel explodierte förmlich und mit jedem Menschen, der neu reinkam, entglitten meinen Nachbarn die Gesichtszüge immer mehr. Sie trank stoisch aber doch recht zügig ihre Flasche Wein aus, er verklappte in der Zwischenzeit 3 große Bier. Die hatten keinen so schönen Abend. Es war wirklich sehr laut!