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  • Rocio – Ausflug

    Ich nutzte die Wartezeit für meinen La Doñana besuch um ein wenig ins Landesinnere von Rocio zu fahren, raus aus der Ebene und rein in eine wunderbare Hügellandschaft. Die Störche schienen einen gewissen Faible für technische Anlagen zu haben, dieser nistete auf der Fassade des Bahnhofs. Ich erfuhr später, dass so ein Nest bis 300 kg wiegen kann, damit erklärt sich warum Strommaste, Kirchtürme und Schornsteine so ideal sind. Was aber haben die Störche gemacht, bevor die Menschen so Zeug bauten. Langsam und stetig ging es bergauf, vorbei an riesigen Weideflächen auf denen schattenspendene Bäume für die Rinder standen. 83% der Energie erzeugt Spanien aus regenerierbaren Ressourcen, so kam ich wiedermal an einem Stausee vorbei. Es hatte im Anfangs des Jahres reichlich geregnet und so war auch dieser gut Speicher gefüllt. Am Abfluss in die Landschaft kann man ein wenig erahnen, wie sie vor der Erbauung des Staudamms aussah.

    Heute war ich mir wieder mal sicher, dass die Motorradfahrerei doch das Richtige für mich ist. Die Kurven wechselten sich harmonisch ab, es war ein wenig wie Skifahren, wenn man so in den „Flow“ kommt. Ständig wechselte Licht und Schatten, damit änderte sich auch stetig der Geruch. Es gab – leider noch- sehr viele Eukalyptusbäume, die wegen des Wasserverbrauchs und der Explosionsgefahr im Brandfall sehr kritisch zu sehen sind. Aber in der Hitze verströmen sie einen betörendem Duft, dann erfreut eine mediterrane Duftmischung aus Pflanzen, die ihre ätherischen Öle verbreiten, das Näschen oder die Rübennase, frischer Pinienduft lag etwas schwerer in der Luft. Bei mäßiger Geschwindigkeit konnte ich diesen Wechsel aus Landschaft und Gerüchen voll genießen. Man kann auch an Landschaft trunken werden. Zeit für so eine Reise zu haben ist schon ein großes Geschenk, nicht ankommen zu müssen oder eine Strecke jeden Tag abreissen zu müssen ist die eigentliche Qualität.
    Das Wasser des Rio del Tinto wird von der eisenhaltigen Erde so rot gefärbt und das knallt so richtig in Augen vor dem Hintergrund der sattgrünen Pinien. Die Flussbette sind weitestgehen nicht begradigt oder kanalisiert und so kann die Landschaft bei Starkregen einfach „voll laufen“.
    Landwirtschaft kann so schön sein, vor allem wenn es sich eine Bar handelt. Das bestechende für mich war an Spanien war schon immer, dass ich im hinterletzten Dorf noch was Leckeres zum Essen bekam. Siehe Speisekarte. Dörflich rustikal war der Service aber sehr freundlich, die Frau kocht, der Mann bedient. An der Tresen standen Männer die den 1. Mai genossen, ansonsten kamen Familien zum Essen. Warum Menschen mit dem Camper rumfahren, bei Lidl Essen kaufen, das es auch in Deutschland gibt, wird sich mir nie erschließen.

    Auf dem Rückweg kam ich an den Minen des Rio del Tinto vorbei, die schon seit Jahrhunderten an dieser Stelle in Betrieb sind. Das tut dann schon weh, diesen Eingriff in die Landschaft zu sehen. Wobei es ein Quatsch ist, die Straßen, Land- und Wirtschaft waren ja auch enorme Veränderungen. So was wie unberührte Landschaft muss man schon mit der Lupe suchen. Von weitem sichtbar liegt der Alcazar von Nieba auf einem Hügel. Auch diese Bestigungsanlage erstand zur Zeit der Reconquista und gehörte zu Guzman el Bueno. Dem schien im 13. Jahrhundert ohnehin alles in Andalusien zu gehören, nachdem er geschickt mit Arabischen Fürsten paktierte, deren Zwistigkeiten nutzte und vom König dann entsprechend belohnt wurde. Und das alles als „Bastard“ von Isabella. Die 2 km Stadtmauer ist noch komplett erhalten und die Altstadt wird nach wie vor bewohnt. „Leider“ für die neuen SUVs nicht befahrbar. Beim Unterlauf des Rio del Tinto fuhr ich über eine römische Brücke, von der ich die Fotos machte. Die wird einfach mal seit 2000 Jahren befahren und ist heute noch für 10 Tonnen schwere LKWs befahrbar.

    Am Abend machte ich noch eine Runde durch Rocio und in der kleinen Bar gab es Livemusik. Die Abend war schon fortgeschritten, der Zustand der Gäste zum Teil auch. Es war mir nicht möglich den Gesprächen zu folgen, zu denen mich meine Bargenossen animierten. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass der Spanier versucht schneller zu sprechen als sein Gegenüber zu hören kann. Stolz tragen die Damen und Herren ihre Tracht, Stiefel sind Pflicht. Bei Gefallen haben dann – meistens- die Damen eine Sevillana getanzt, eine strenge Abfolge von Schritten, bei denen sich die Tänzerinnen bei Drehungen berühren. Al gusto kann es da schon mal einen Ausrutscher an die Brust der Tanzpartnerin kommen. Unglaublich war es außerdem, was die eine Köchin aus der Miniküche rausschaffte. Die hatte gerade mal 1,5 m2 Bewegungsfläche.

    cc