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  • Sevilla – Rocio

    Mein nächstes Ziel lag rund 80 Kilometer von westlich Sevilla entfernt. Auf dem Weg dahin gab es jede Menge Olivenhaine, die sich dahin gehend unterscheiden, dass manche Olivenbäume eine Krone ausbilden können, andere maschinentauglich gestutzt werden. Das sah eher wie eine Olivenhecke aus. Der Stellplatz ist sehr groß, nach einem Platzwechsel hatte ich auch Schatten. Ich richtete mich ein und machte mich auf Richtung Zentrum. Am Ortseingang von Rocio dachte ich mir, dass da der Straßenbau hinter dem Hausbau hinterher hinkt. Die Erschließung folgt wohl anderen Vorstellung wie bei uns. Es gab keinen Gehweg und das Laufen war schon etwas mühsam.

    An den Gebäuden fiel mir auf, dass sie zu einer Bruderschaft gehören, ähnlich denen die in der Karwoche die Prozessionen veranstalten. Die Fassade ist geschmückt mit einem Glockentürmchen und alle besitzen einen großen Innenhof, um den sich die Wohnungen gruppieren. Ich erwartete jeden Moment, daß Clint Eastwood um die Ecke biegt, um nur einen meiner Westernhelden aufzuführen. Es herrschte ein eigenartige Stimmung im Ort, da sich am späten Nachmittag fast alleine unterwegs war.

    Die angrenzende Marsch- nach den Regenfällen quasi ein See- gehört zum Ort. Rocio ist auch einer der Eingänge zu dem Nationalpark La Doñana. Bei dem Spaziergang auf der Promenade bekam ich schon einen ganz tollen Eindruck davon, was mich morgen erwartet. Auf einer Insel grasten Pferde, auf dem See waren Enten, Flamingos uvm. zu sehen und zu hören. Nach dem ganzen Sand war das richtig angenehm für die Augen.

    … und natürlich darf die Kirche nicht fehlen. Bei einem Kaffee las ich dann über den Ort nach. Es ist einer meist besuchten Wallfahrte in Spanien. An Pfingsten kommen in den Ort – normaler Weise wohnen hier ca. 2000 Menschen- etwa 1 Million Menschen mit Geländewagen, Pferdeanhängern und Kutschen. Zu den Menschen kommen noch 35 bis 40 Tausend Pferde. Die Übernachtung kostet für 3 Tage 15 Tausend Euro, das ist dann für ein Haus, das bis zu 40 Personen beherbergen kann. Ich habe dann nachgerechnet und es mit dem Oktoberfest verglichen, wo man z.B. ein Hotel benötigt und 200 € pro Nacht veranschlagt. Plötzlich wird die Prozession „El Rocio“ fast schon wohlfeil. Das geht dann ja schon wieder. Etwa 100 Bruderschaften haben ihre Anwesen im Ort. Im letzten Jahr wurde ein Krankenhaus gebaut, das wurde wohl nötig.

    In der schlichten Kirche – nur die Seitenwände – erfüllt der goldene Altar mit der Virgen de Rocio mit einem besonderen Licht. All das Gold erschlägt einen fast und ich musste sofort an die ehemaligen Kolonien in Südamerika denken. Neben der Kirche gibt es einen Votivraum, wo der gute Katholik Kerzen spenden kann. Ein älteres Ehepaar kreuzte vor der Marienstatue die Kerzen, hielten innen, bekreuzigten sich, umarmten sich heftig und küssten sich dann ganz inniglich. In solchen Momenten berührt mich die Kraft des Glaubens dann schon.

    Abends füllten sich die Straßen und neben Fußgängern waren Reiter und Reiterinnen unterwegs, gelegentlich mit einem Kind vor dem Papa sitzend. Da ging Reiten vor Laufen, so klein war der Reiternachwuchs. Familien waren in der Kutsche auf der Straße und wer auf der staubigen Straße Durst bekam, genehmigte sich ein Bierchen vor der Bar. Reitergemäß auf einem Barranca serviert. Das sind so wunderschöne Pferde, wohlgenährt mit einem elastischen Gang. Der Stolz des Reiters überträgt sich 1:1 auf das Pferd. Bei einem Barbesuch mit Folgen entdeckte ich die komprimierteste Toilette, die ich bisher sah. Ein Raum für für Damen, Herren und behindertengerecht. Schlanker kann man nicht planen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/El_Rocío