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  • Sevilla Stadtspaziergang

    Es war schon komisch, nach zwei Wochen Zelt in einem Zimmer zu schlafen. Einige Moskitos besuchten mich in der Nacht, ich hörte blöderweise wieder mal das Gras wachsen, in diesem Fall die Geräusche der Aircondition und anderen Hausgeräuschen. Ich verzichtete auf das Frühstück in der Pension und machte mich auf dem Weg nach Triana, auf der anderen Seite des Guadalquivir gelegen. Um 9:00 Uhr waren die Straßen mehr oder weniger leer. Ich kam an einem Damenfriseur vorbei mit dem Namen „Gottlich“. Die Besitzerin des Ladens war sich aber der Nähe zu „Göttlich“ schon bewusst. Vermutlich sind schon vorher andere deutsche Touristen auf die Idee gekommen, auf die Ähnlichkeit hinzuweisen. Sie hat auf jeden Fall meinen kleinen Hinweis mit Fassung getragen. Als erstes schaute ich mir die Markthalle an, auch um mir ein wenig Appetit für das Frühstück zu machen. Schon schade, dass ich keine Möglichkeit hatte zum Kochen, alles sah so dermaßen frisch und appetitlich aus. Die Kleinigkeiten zum direkten Verzehr waren aber auch nicht zu verachten. Der Betreiber der Bar, ein Sprachtalent was zumindest das Anpreisen seiner Frühstücksleckereien anbelangt, pries das Gebäck, die belegten Brötchen und Empanadas lautstark an. Mein Frühstück bestand aus einer Empanada mit Spinat, Pinienkernen und einer leichten Käsesauce.


    Das ehemalige Arbeiter- und Gitanoviertel wurde in der Franco Zeit privatisiert und Spekulanten verhökert, die Gitanos an den Stadtrand verdrängt. Schon damals gab es die Stadtbilddebatte. Die Gitanos, die früher noch Bestandteil der Stadtgesellschaft waren, fristen seitdem ein elendes Leben am Stadtrand, untergebracht in desaströsen Unterkünften. Eine Großfamilie bekam eine Wohnung mit 40 m², warmes Wasser und Strom gab es nicht regelmäßig. Die Anbindung an die Stadt war und ist ausbaufähig. Der Absturz war vorprogrammiert, es war und ist ein Hort von Gewalt und Drogen. Etwas verklärt werden diese Umstände als Triebfeder für den Flamenco „verklärt“ und dass sich der Kampf aus dem Elend in was „Erhabenes“ verwandelt. Den Blick auf die Umstände. muss man sich aber leisten können, die Menschen sollten einfach nur menschenwürdig leben können. In den letzten Jahren fand in Triana im großen Maße eine Gentrifizierung statt. Auch hier ist der Tourismus ein Treiber der Umwandlung, der wohlhabende Spanier neigt zur Zweit- und Drittwohnung, auch Deutsche kauften sich gerne in Sevilla ein.

    Triana hatte aber einen ganz eigenen Charme. Es gibt quasi kein Haus, an dem sich keine Fliesen befinden, die Bauweise ist meist zwei oder dreigeschossig. Hier war einst die Fliesenproduktion zu Hause. Wer hat, der kann und fliest auch noch die Unterseite seines Balkons. Es ging so auf den Mittag zu und auf den noch leeren Plätzen herrschte emsiges Treiben. Es wurde bestuhlt und eingedeckt und 15 Minuten später war alle Plätze besetzt. Noch halten sich Anwohner und Touristen die Waage. Aus der Recoquista stammt die Kirche Santa Ana, eine Mischung aus Al-Mudejarstil, nach einem Erdbeben auch gotische und Barocke Ergänzungen. Die „freundliche Maria“ wird einmal im Jahr an ihrem Festtag in einer großen Prozession von der Bruderschaft „Triana“ ausgeführt.
    Eine Besonderheit sind die Nachbarschaftshäuser, in denen die Arbeiterfamilien wohnten. Das Grundstück ist schmal, es erstreckt sich von der Straße weg in die Tiefe der Parzelle, um einen Innenhof, meistens bepflanzt, gruppieren sich kleine Wohnungen. Es gab noch einen ersten Stock, der mit einem Laubengang erschlossen wurde. An den Nachbarschaftshäusern an denen ich vorbeikam deutete nichts daraufhin, dass sie zweckentfremdet wurden. Das wäre eine schöne Möglichkeit im Alter zu wohnen.

    Der die Promenaden am Guadalquivir waren eine erfrischende Möglichkeit nach der Enge der Gassen wieder Weite zu genießen. Es gab einen „Highway“ für Radler und Skater, das alte Pflaster eignete sich eher zum Schlendern. Es gibt noch eine Besonderheit an den Ampeln an großen Kreuzungen. Der deutsche Denkmalschutz hätte wohl große Bedenken auf das alte Pflaster eine Asphaltpiste zu bauen. Die ersten Meter vor der Kreuzung sind für Motorräder reserviert. … und es halten sich alle daran!

    Im Museum Bellas Artes wird vor allem katholisch andalusische Kirchenkunst gezeigt. Das Museum ist in einem alten Kloster untergebracht. Für Interessierte:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Museo_de_Bellas_Artes_de_Sevilla
    Den Abend habe ich in einer Bar verbracht, die mir Vera empfohlen hatte. Ich fand gerade noch Platz am Tresen und habe mir während des Abendessens das Spiel PSG vs Bayern angesehen. Ich hielt die Kellner mit den aktuellen Spielständen auf dem Laufenden, es fielen insgesamt 9 Tore, da gab es viel zu berichten. Die Kellner favorisierten PSG, da sie der Meinung waren, dass den Spaniern PSG besser liegt. Bayern hatte Madrid aus dem Rennen geworfen, da spielte wohl ein gewisser Respekt mit.