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  • Camping – Guadalquivir

    Nach dem Frühstück und vor dem Rennen wollte ich noch eine kleinere Runde fahren, in der Hoffnung etwas vom Nationalpark La Doñana zu erspähen. Die Routenplanung und wie es sich dann in Echt darstellt hat immer mal wieder nichts mit einander zu tun. Beim vermeintlichen Blick auf das Wasser stört dann eine Hecke, oder die Bilder im Kopf haben passen nicht zur Landschaft. Hinter Sanlúcar de Barrameda beherrschten riesige Gemüsefelder und Folienhäuser die Szene. Alles wirkte ziemlich aufgeräumt, das habe ich schon anders gesehen. So halbverwaiste Folientunnel, bei denen die Folie schon zerfetzt über den Metallbögen hängt, von der UV Strahlung brüchig geworden und vom Wind zerzaust, trüben den Anblick sehr. Das herumfliegende Plastik darf nicht vergessen werden. Da ist der Spanier schon manchmal etwas sehr schlampig.
    Die riesigen Felder werden durch ein ausgeklügeltes Wassersystem versorgt, die Zuteilung erfolgt über die Wasserkooperative. Diese hält auch die Aquädukte in Schuss und baut das Bewässerungssystem. Das Wasser wird über „Rinnen“ = Acequias oder aufgestelzte Rinnen wie Aquädukte auf die Felder geleitet. Leider sind an den Übergabepunkte die Rinnen nicht ganz dicht, so dass einiges an Wasser verloren geht. Auf der anderen Seite ist es an diesen Stellen immer saftig grün. Die Schotterstraßen und der zum Teil zerfressende Asphalt erfordern relativ langsames Fahren und so hatte ich viel Zeit zum schauen und Bildmotive zu finden. Bisher habe ich noch kein adäquates System gefunden, wo ich während der Fahrt Bilder machen kann. Das läuft dann so ab: “ könnte was werden, bremsen, Moped abstellen, Handschuhe ausziehen, Handy von der Halterung lösen, oft dann auch absteigen, Bild oder Bilder machen und dann geht es wieder weiter. Ich wollte nur mal so erwähnen!
    Bei der Weite, dem tollen Himmel und so vom Grundgefühl her dachte ich auf der Fahrt öfter mal: „Wer braucht denn schon Amerika?“. Hier konnte ich mal auf einen Acker gehen, ohne Angst angeschossen zu werden. Im Gegenteil: vorbeifahrende Campesinos haben das Auto verlangsamt, kurz gehupt, Daumen hoch, kleines Lachen und dann ging’s weiter. Ich sah. Störche, Stelzvögel, weiße Flamingos, einen Vogel mit einem löffelartigen Schnabel … . Das machte mir so richtig Lust auf die anstehende Exkursion in die Doñana.


    Kurz vor der Einfahrt in das Städtchen Trebujara, sah ich MalerInnen, in einem kleinen Pinienhain mit Staffelei stehen. Sie standen sehr exponiert, die meisten Staffeleien Richtung Stadt gerichtet. Beim Rundgang, zu dem ich richtig ermuntert wurde, stellte ich dann fest, dass sich der Blick in Landschaft und das Bild auf der Staffelei schon sehr unterschieden. Das lag weniger am Malstil, als daran, dass sie sich Photovorlagen mitgenommen hatten. Es roch so gut nach den Pinien, anderen aromatischen Kräutern und Blumen, und es war so himmlisch ruhig. Auf die Frage, was man noch mehr brauchte sagte ein Maler „Cervesa fria“ und ging zur Kühlbox.

    Im Städtchen war jetzt richtig was los und ich schlenderte ein wenig herum. Die Stimmung locker und sehr angenehm. Es gab Unterhaltung für die Kinder kein und groß, Stände an denen die Solidarität mit Cuba und Palestina gepflegt wurde. Ich stellte mir das bei einem bayrischen Volksfest vor. Undenkbar! Selbst beim Feiern denkt der „Spanier communis“ noch andere Menschen, die es gerade nicht so lustig haben. Bei einem Jongleur und 2 Bands verweilte ich ein wenig, immer im Hinterkopf, dass ich um 15 Uhr mit Dennis zu Rennen anschauen verabredet bin. Das wäre sicherlich hier auf dem Stadtfest ein sehr lustiger Nachmittag geworden.


    Punkt 15 Uhr war ich dann auch auf dem Zeltplatz, bei der Rückfahrt habe ich die Grenzen der spanischen STVO zu meinen Gunsten ausgelegt. Ich war aber auch fast alleine auf der Piste.
    An anderer Stelle hätte ich gesagt „Koitus interruptus“, das Rennen war um 15 Uhr vorbei. Irgendwo sind da zwischen dem Deutschen und dem Schwyzerdütsch Informationen verloren gegangen. Ich hatte mir schon eine gute Stimmung auf dem Campingplatz mit den anderen Verrückten vorgestellt. Jetzt war es schade nicht auf dem Fest zu sein.